Grüezi!

Der "Spirit" des Strassenraumes

RSA heisst das neue Zauberwort. Wie es sich gehört in Englisch: Road safety audit. Scheinbar rational werden für eine Stras-senanlage die Anforderungen Punkt für Punkt nach rationalen Kriterien abgehakt. Begegnungsfall - Sichtweiten - Schlepp- kurve - Signalisation undsoweiter. Als ob eine Strasse eine Produktionsmaschine sei, die schön abgeschotet für sich in einer Halle steht. Ist sie aber nicht.

Das Verfahren des RSA lässt ausser acht, dass eine Verkehrsanlage Teil der Landschaft ist, Teil des Umfeldes und der Rohstoff, der sie durchläuft und aus dem das Produkt "Bewegung" produziert wird, Menschen. Lebewesen mit all ihren Stärken, Schwächen, Fähigkeiten und Begrenztheiten, mit Sinnen und Emotionen.

Rationale Elemente und Kriterien berücksichtigen bestenfalls die Eigenheiten der zu bewegenden technischen Fortbewegungsmittel. Aber immer spielt der Faktor Mensch die entscheidende Rolle, erst recht, wenn er ohne technische Hilfe, allein zu Fuss unterwegs ist.

Interessant zum Beispiel, dass im gesamten RSA das Kriterium "Wahrnehmung" nirgends vorkommt. Dabei spielt die Kette "sehen - wahrnehmen - erkennen - verarbeiten" im Verkehrsgeschehen eine zentrale Rolle. Und damit natürlich auch die Gesamterscheinung des Strassenraumes in der Bewegungsabfolge, zudem wahrgenommen von Menschen in unterschiedlichsten Arten des Unterwegsseins, mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten, Möglichkeiten, Fortbewegungsarten, Stimmungen. Und beeinflusst zusätzlich von verschiedenstem Geschehen im Umfeld, das direkt und indirekt immer auch in den Strassenraum hineinwirkt. Zudem noch bei Tag oder Nacht und bei unterschiedlichen Witterungsbedingungen und Jahreszeiten.

Dieses Gesamtbild gilt es zu beachten, wenn man eine Verkehrsanlage konzipiert, plant und projektiert. Und insbesondere auch, wenn man den Anforderungen des Fussverkehrs, dieser komplexesten aller Verkehrsarten, gerecht werden will. Ansätze dazu finden sich in Grundlagen zum Strassenraumentwurf, einem Vorgehensprinzip, das wenigstens annähernd der Komplexität der Aufgabe gerecht wird, angedacht in den entsprechenden VSS-Normen oder in den deutschen Entwurfsgrundlagen ESG, EAE oder EAHV.

Den "Spirit" vermisse er darin, sagte jüngst ein Bauamtschef zum Ingenieurplan eines Strassenprojektes. Das ist es. Und ganz sicher führt der Weg zum Spirit nicht über ein RSA.


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