Grüezi!

Der Fuss im Kopf

Planung für den Fussverkehr braucht ein anderes Denken als das Planen für den rollenden Verkehr. Davon sprach der Gastreferent aus Wien an der Übergabe des diesjährigen Fussverkehrspreises „flaneur d’or“ in Zürich. Wer mit dem Fahrzeug im Kopf, sei es Auto oder Velo, an die Aufgabe herangeht, wird den Bedürfnissen der Zufussgehenden nie gerecht werden.

Als Alltagsfussgänger spürt man immer wieder, dass die Bedürfnisse nicht erkannt wurden, auch wenn viele Zufussgehende oft selbst nicht genau sagen könnten, was sie eigentlich stört, aber wohl fühlen sie sich nicht. Wer sich intensiver mit dem Thema auseinandersetzt und die Umwelt bewusst aus der Fussgeherperspektive anschaut, merkt dann allmählich, dass ganz ungewohnte Dinge wichtig sind: Zum Beispiel wechselnde Kleinflächen aneinandergereiht statt monoton gleiche Breite, zum Beispiel Vielfältigkeit der Eindrücke statt uniformem Betongrau und statt Hochgeschwindigkeitsarchitektur, zum Beispiel unterschiedliche Bodenbeläge statt ewiggleichem Asphalt, zum Beispiel viele kleine Ausruhangebote statt Absperrungen, zum Beispiel interessante Einblicke gleich neben dem Weg statt steriler Abschotung, zum Beispiel die Möglichkeit, seinen Weg selbst zu wählen und vieles mehr. Fussverkehrsplanung ist organische Planung, technische Normiertheiten greifen zu kurz. Es braucht eine andere Denkweise und die richtigen Ansätze – darum auch wird das in Kürze erscheinende ASTRA-Handbuch Fusswegnetzplanungen den Anforderungen nicht gerecht werden. Fussverkehr reduziert auf technische Vorgaben. Schade.

 Gehen Sie wieder einmal zu Fuss durch Ihren Wohnort, betrachten Sie ihn als Fussgeher, gewissermassen mit dem Fuss im Kopf und Sie werden merken, was gemeint ist – allerdings brauchts ein bisschen Übung, wir sind es uns nicht mehr gewohnt, zu beobachten und zu sehen. Diese Übung und dieses Wissen braucht es, wenn bei Verkehrsanlagen auch die Anliegen des Fussverkehrs beachtet werden sollen. Und auch das Wissen darum, dass zu Fuss jede Art von Menschen in jedem Alter, mit unterschiedlichstem Zweck und mit ganz verschiedener körperlicher Konstitution unterwegs ist.

 Und plötzlich wird das Planen für den Fussverkehr zu einer der vielfältigsten und anforderungsreichsten Tätigkeit, die es für Verkehrsplaner überhaupt gibt. Und das ist der Grund, warum ich diese Tätigkeit liebe. Das spüren Sie auch, wenn ich mich um Ihre Fragestellung kümmere! Reden wir darüber - kommen Sie vorbei!


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